Was ist das?
Bei gesunder Atmung wird die Luft auf dem Weg durch die Nase angefeuchtet, angewärmt und gefiltert. Ist die Nase verschlossen oder hat sich die Gewohnheit festgesetzt, fällt diese Aufgabe dem Mund zu. Die trockene Luft, die durch den Mund strömt, trocknet Lippen, Zahnfleisch und Zungenoberfläche aus; die spülende und säurepuffernde Wirkung des Speichels geht weitgehend verloren.
In einem trockenen Mund wird der Zahnbelag zäher, und die Säure wirkt länger auf die Zahnoberfläche ein. Das Zahnfleisch an den Frontzähnen rötet sich, schwillt an und blutet beim Putzen; eine Entzündung, die dort trotz guter Pflege bestehen bleibt, ist eine der typischen Spuren der Mundatmung. Eine belegte Zunge, Mundgeruch und Trockenheit im Hals kommen häufig hinzu.
Bei Kindern bleiben die Auswirkungen möglicherweise nicht auf den Mund beschränkt. Liegt die Zunge nicht am Gaumen an und schließen die Lippen nicht, ist der Oberkiefer dem Druck der Wangen stärker ausgesetzt; der Gaumen kann schmal und hoch sein und die oberen Schneidezähne nach vorne geneigt. Wie stark das ausfällt, ist von Kind zu Kind unterschiedlich und lässt sich nicht auf eine einzige Ursache zurückführen.
Anzeichen
Sie müssen nicht alle davon gleichzeitig haben.
Warum entsteht es?
- 01
Verstopfte Nase
Allergischer Schnupfen, vergrößerte Nasenmuscheln, eine verkrümmte Nasenscheidewand und wiederkehrende Nebenhöhlenentzündungen erschweren den Weg der Luft durch die Nase. Diese Gruppe ist die häufigste Ursache, und ihre Beurteilung gehört in die Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.
- 02
Vergrößerte Rachen- und Gaumenmandeln
Wächst das lymphatische Gewebe hinter der Nase im Kindesalter, verengt sich der Atemweg am oberen Ende. Schnarchen in der Nacht, Schlafen mit offenem Mund und ein unruhiger Schlaf begleiten das häufig.
- 03
Wenn es zur Gewohnheit wird
Die Mundatmung kann auch dann bestehen bleiben, wenn die Ursache der Verstopfung längst behoben ist. Eine schlaffe Lippenmuskulatur und eine tiefe Lage der Zunge können dieses Muster festigen.
- 04
Bau von Lippe und Zunge
Eine kurze Oberlippe, nach vorne geneigte obere Schneidezähne und ein Zungenbändchen, das die Zunge in ihrer Beweglichkeit einschränkt, können den entspannten Lippenschluss verhindern. Dann bleibt der Mund auch in Ruhe offen.
Wie schreitet es fort?
- Milchgebiss
Die Jahre der ersten Anzeichen
Auffällig sind Schlafen mit offenem Mund, Schnarchen, Schwitzen und ein feuchtes Kopfkissen. In dieser Zeit die Ursache zu klären ist wertvoll, um spätere Auswirkungen auf die Entwicklung zu begrenzen.
- Wechselgebiss
Wenn die Folgen für die Entwicklung sichtbar werden
Ein schmaler Gaumen, ein Kreuzbiss und Stellungsänderungen der Frontzähne fallen in diesen Jahren auf. Auch das günstige Zeitfenster für eine kieferorthopädische Beurteilung liegt in dieser Zeit.
- Jugendalter
Wenn sich die Befunde im Mund festsetzen
Im Vordergrund stehen eine im Frontbereich nicht abklingende Zahnfleischentzündung, Trockenheit und Mundgeruch. Da das Gesichtswachstum weitgehend abgeschlossen ist, werden die Möglichkeiten einer Korrektur am Knochenbau enger.
- Erwachsenenalter
Anhaltende Trockenheit und Zahnfleischprobleme
Die Beschwerden sind meist morgendliche Trockenheit, Brennen im Hals, Mundgeruch und wiederkehrende Zahnfleischentzündungen. In diesem Alter kann zusätzlich eine Abklärung nächtlicher Atemprobleme nötig werden.
Wie wird es behandelt?
Zuerst wird die Ursache gesucht. Verstopfte Nase, Allergie sowie vergrößerte Rachen- und Gaumenmandeln werden in der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde beurteilt; liegt eine Allergie vor, kann die Behandlung gemeinsam mit dem zuständigen Fachgebiet geplant werden. Solange die Ursache nicht beseitigt ist, bleiben Maßnahmen, die nur den Mund betreffen, vorübergehend.
Auf zahnärztlicher Seite geht es darum, den Schaden zu begrenzen, den die Trockenheit im Mund hinterlässt. Dazu gehören die Behandlung der Zahnfleischentzündung, das erneute Einüben der Putztechnik im Frontbereich, Fluoridanwendungen und kürzere Kontrollabstände. Ist die Trockenheit in der Nacht ausgeprägt, werden Trinkmenge, Luftfeuchte im Raum und befeuchtende Mundpflegeprodukte besprochen.
Zeigt sich beim Kind ein schmaler Gaumen oder eine Bissstörung, folgt eine kieferorthopädische Beurteilung; Übungsprogramme für die Lippen- und Zungenmuskulatur können die Behandlung ergänzen. Verfahren wie das Zukleben des Mundes, um die Atmung zu erzwingen, gelten bei nicht freier Nase nicht als sicher und sollten ohne ärztliche Beurteilung nicht ausprobiert werden.
- Beobachtete Atemaussetzer im Schlaf Ihres Kindes
- Schlafen mit offenem Mund zusammen mit Schluckbeschwerden oder veränderter Stimme
- Einseitig verstopfte Nase mit übel riechendem oder blutigem Ausfluss
- Der Mund lässt sich auch tagsüber nicht schließen und die Luft reicht beim Sprechen nicht
Wie beugt man vor?
- Tun Sie eine verstopfte Nase nicht als jahreszeitlich bedingt ab; hält sie an, gehört sie abgeklärt.
- Beobachten Sie den Schlaf Ihres Kindes; Schnarchen, Schlafen mit offenem Mund und Schwitzen gelten nicht als normal.
- Wenn Sie durch den Mund atmen, verkürzen Sie Ihre Kontrollabstände gemeinsam mit der Zahnarztpraxis.
- Nehmen Sie sich beim Putzen eigene Zeit für die Außenflächen des Zahnfleisches im Frontbereich; dort setzt sich die Entzündung am ehesten fest.
Häufige Fragen
- Schadet Mundatmung den Zähnen wirklich?
- Sie verursacht nicht unmittelbar Karies, schafft aber durch die Austrocknung ein günstiges Umfeld für Karies und Zahnfleischentzündung. Besonders an den Außenflächen der Frontzähne können Rötung und Blutung auftreten, die trotz gutem Putzen bestehen bleiben. Bei Kindern können außerdem Gaumen und Kieferentwicklung von diesem Muster beeinflusst werden.
- Ist es eine Lösung, im Schlaf den Mund zuzukleben?
- Dieses Vorgehen gilt bei nicht freier Nase nicht als sicher und kann ein dahinterliegendes Atemproblem verdecken. Zuerst sollte die Ursache der verstopften Nase geklärt und, falls nötig, eine schlafmedizinische Abklärung vorgenommen werden. Treffen Sie die Entscheidung gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt und probieren Sie es nicht auf eigene Faust.
- Mein Mund bleibt nur nachts offen, ist das ein Problem?
- Auch Trockenheit in der Nacht allein kann das Risiko für Karies und Zahnfleischentzündung erhöhen. Zudem kann Mundatmung in der Nacht ein Hinweis auf eine verstopfte Nase und in manchen Fällen auf Atemprobleme im Schlaf sein. Treten morgendliche Trockenheit, Schnarchen und Müdigkeit am Tag gemeinsam auf, ist es angebracht, eine Abklärung zu erbitten.
Dieser Inhalt dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche Untersuchung. Symptome überschneiden sich zwischen Erkrankungen; eine Diagnose kann nur klinisch gestellt werden.
