Was ist das?
Die Mundschleimhaut gehört zu den Geweben, die sich im Körper am schnellsten erneuern. Fehlt es an Eisen, Vitamin B12 oder Folsäure, gerät diese Erneuerung ins Stocken, und die Zeichen zeigen sich häufig zuerst im Mund. Eine glatt und gerötet werdende Zunge, eingerissene Mundwinkel, wiederkehrende Aphthen, Brennen und ein veränderter Geschmack gehören zu den wichtigsten davon.
Je weniger Papillen der Zungenrücken trägt, desto glänzender, glatter und roter wirkt die Oberfläche; heiße und scharfe Speisen können unangenehm werden. Diese Zeichen allein erlauben keine Diagnose. Dasselbe Bild kann auch bei Mundtrockenheit, bei einer Pilzinfektion und bei Reizung durch eine Prothese entstehen. Der Befund im Mund ist deshalb kein Ergebnis, sondern der Anfang einer Abklärung.
Auch mit dem Nachweis eines Mangels ist die Sache nicht zu Ende. Warum er entstanden ist, ob also die Ernährung, die Aufnahme im Darm oder ein unbemerkter Verlust dahintersteckt, wird gesondert untersucht. Wer allein wegen der Zeichen im Mund von sich aus mit Präparaten beginnt, kann diese Abklärung erschweren; deshalb bleibt die Entscheidung bei der Ärztin oder dem Arzt.
Anzeichen
Sie müssen nicht alle davon gleichzeitig haben.
Warum entsteht es?
- 01
Zu geringe Zufuhr
Eine einseitige und eingeschränkte Ernährung kann die Eisenzufuhr senken. Vitamin B12 steckt überwiegend in tierischen Lebensmitteln, deshalb kann bei Menschen, die darauf verzichten, mit der Zeit ein Mangel entstehen.
- 02
Störungen der Aufnahme
Erkrankungen von Magen und Dünndarm, Zöliakie, Magenoperationen und über lange Zeit eingenommene Magensäurehemmer können die Aufnahme beeinträchtigen. Dann können die Blutwerte auch bei ausreichender Ernährung absinken.
- 03
Blutverlust
Lange und starke Regelblutungen sowie stille Verluste aus dem Verdauungstrakt können die Eisenspeicher aufbrauchen. Ein Präparat ohne gefundene Quelle gleicht den Mangel vorübergehend aus, beseitigt aber nicht die Ursache.
- 04
Erhöhter Bedarf
In Schwangerschaft, Stillzeit und Phasen schnellen Wachstums steigt der tägliche Bedarf. Bleibt die Zufuhr gleich, können die Speicher in diesen Zeiten schneller zur Neige gehen.
Wie schreitet es fort?
- 1
Stille Phase mit sinkenden Speichern
Die Blutwerte beginnen zu fallen, im Mund und im Allgemeinbefinden zeigt sich aber noch nichts. Diese Phase fällt nur durch eine Untersuchung des Blutes auf.
- 2
Erste Zeichen im Mund
Brennen auf der Zunge, Empfindlichkeit gegenüber heißen und scharfen Speisen, Rötung an den Mundwinkeln und häufige Aphthen können auftreten. Sichtbar ausgeprägt muss das Bild noch nicht sein.
- 3
Sichtbare Zeichen der Schleimhaut
Der Zungenrücken wird glatt und leuchtend rot, die Einrisse an den Mundwinkeln bleiben bestehen, die Schleimhaut kann blasser wirken.
- 4
Hinzukommende Zeichen im ganzen Körper
Abgeschlagenheit, Herzklopfen und Atemnot können hinzukommen. Bei einem B12-Mangel können zusätzlich Taubheitsgefühl und Kribbeln in Händen und Füßen sowie Gleichgewichtsstörungen auftreten; damit sollten Sie nicht abwarten.
Wie wird es behandelt?
Zuständig sind hier die Hausarztpraxis oder eine Praxis für Innere Medizin. Ein Mangel wird nicht durch den Blick in den Mund festgestellt, sondern durch eine Blutuntersuchung; meist werden ein Blutbild sowie Eisen, Ferritin, Vitamin B12 und Folsäure gemeinsam beurteilt. Je nach Ergebnis können Frauenheilkunde, Gastroenterologie oder Hämatologie hinzukommen.
Die Rolle der Zahnarztpraxis besteht in diesem Bild nicht darin zu behandeln, sondern zu erkennen und weiterzuleiten. Die Zahnärztin oder der Zahnarzt sieht das Zeichen im Mund, beurteilt die örtlichen Gründe, die dasselbe Bild erzeugen können, korrigiert einen schlecht sitzenden Zahnersatz, geht einer vermuteten Pilzinfektion nach und ordnet die Mundpflege. Über Medikament, Dosis und Dauer bei einem Mangel entscheidet nicht die Zahnarztpraxis.
Wichtig ist, dass Sie nicht von sich aus mit Eisen- oder B12-Präparaten beginnen. Ein Präparat kann die Blutwerte bessern und dabei die Ursache hinter dem Mangel verdecken; außerdem muss vorher bekannt sein, welcher Mangel im Vordergrund steht. Nach Beginn der Behandlung ist zu erwarten, dass die Zeichen im Mund zurückgehen, das dauert aber meist nicht Tage, sondern Wochen.
- Abgeschlagenheit, Herzklopfen oder Atemnot beeinträchtigen Ihren Alltag
- In Händen und Füßen bestehen Taubheitsgefühl oder Kribbeln, oder Sie haben Gleichgewichtsprobleme
- Ihr Stuhl ist schwarz oder Sie haben eine Blutung bemerkt
- In Ihrem Mund liegt eine einzelne Wunde, die in zwei bis drei Wochen nicht abheilt
Wie beugt man vor?
- Notieren Sie die Zeichen in Ihrem Mund und beschreiben Sie sie in der Praxis; Häufigkeit und Dauer beeinflussen die Entscheidung über eine Blutuntersuchung.
- Nehmen Sie Kontrollen wahr, wenn bei Ihnen eine Schwangerschaft, starke Regelblutungen, eingeschränkte Ernährung oder eine Magenoperation vorliegt.
- Nehmen Sie keine Präparate ohne Verordnung; wenn Sie welche einnehmen, sagen Sie es vor der Untersuchung.
- Bitten Sie darum, dass bei den zahnärztlichen Kontrollen auch Ihre Zunge und Ihre Mundwinkel angesehen werden.
Häufige Fragen
- Lässt sich ein Mangel allein an den Zeichen in meinem Mund erkennen?
- Nein. Eine glatte Zunge, eingerissene Mundwinkel und häufige Aphthen können bei einem Mangel vorkommen; dieselben Zeichen treten aber auch bei Mundtrockenheit, bei einer Pilzinfektion und bei Reizung durch eine Prothese auf. Die Diagnose stellt eine Blutuntersuchung. Die Zahnarztpraxis erkennt das Zeichen, beurteilt die örtlichen Gründe und leitet Sie an die zuständige Praxis weiter.
- Kann ich selbst mit einem Präparat beginnen?
- Das ist nicht sinnvoll. Ein Präparat kann die Blutwerte bessern, beseitigt aber nicht die Ursache des Mangels und erschwert die Abklärung. Produkte, die eingenommen werden, ohne dass bekannt ist, welcher Mangel im Vordergrund steht, können das Bild verkomplizieren. Über Dosis, Dauer und Auswahl entscheidet die Ärztin oder der Arzt, die oder der Sie untersucht.
- Wird meine Zunge wieder wie früher, wenn der Mangel behoben ist?
- Spricht die Behandlung an, ist zu erwarten, dass sich die Schleimhaut erholt; Brennen und Empfindlichkeit lassen meist früher nach, während die Zungenoberfläche länger braucht. Bestehen die Zeichen trotz Behandlung weiter, kann im Mund noch eine andere Ursache vorliegen, die gesondert beurteilt werden muss.
Dieser Inhalt dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche Untersuchung. Symptome überschneiden sich zwischen Erkrankungen; eine Diagnose kann nur klinisch gestellt werden.
