Was ist das?
Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die in wiederkehrenden Attacken verläuft. Eine unbehandelte Attacke kann Stunden dauern, manchmal fast zwei bis drei Tage. Der Schmerz liegt überwiegend auf einer Kopfseite, pocht im Takt des Pulses und nimmt bei alltäglichen Bewegungen wie Gehen oder Treppensteigen zu.
Die Attacke wird von Übelkeit sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet. Betroffene möchten reglos in einem dunklen, stillen Raum liegen. Bei manchen Menschen treten vor dem Schmerz leuchtende Linien, Zickzackmuster oder eine vorübergehende Sehstörung im Gesichtsfeld auf; das nennt man Aura, und sie dauert meist weniger als eine Stunde.
Der Berührungspunkt zur Zahnmedizin liegt in der Empfindungsbahn. Die Empfindung von Gesicht und Zähnen wird vom selben Nerv getragen. Strahlt der Migräneschmerz in den Oberkiefer, in die Schläfe und um das Auge aus, spürt man ihn im Zahn. Zeigen Untersuchung und Tests keine Ursache am Zahn, wird an einem gesunden Zahn kein unumkehrbarer Eingriff vorgenommen.
Anzeichen
Sie müssen nicht alle davon gleichzeitig haben.
Warum entsteht es?
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Veranlagung und Empfindlichkeit des Nervensystems
Migräne hängt mit einer Veranlagung zusammen, die in Familien gehäuft vorkommt. Reagieren die Schmerz- und Empfindungsbahnen im Gehirn mit einer niedrigeren Schwelle als üblich auf Reize, beginnt eine Attacke leichter.
- 02
Schlaf, Mahlzeiten und hormonelle Veränderungen
Nicht nur zu wenig, auch zu viel Schlaf kann eine Attacke auslösen. Ausgelassene Mahlzeiten, zu wenig Trinken und Hormonschwankungen im Zyklus gehören zu den häufig berichteten Auslösern.
- 03
Sinnesreize und Umgebung
Helles oder flackerndes Licht, intensive Gerüche, Lärm und Veränderungen des Luftdrucks lösen bei manchen Menschen eine Attacke aus. Die Auslöser sind von Person zu Person verschieden, deshalb wird die Liste persönlich erstellt.
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Belastung aus Nacken- und Kaumuskeln
Signale aus Nacken- und Kaumuskeln werden im Hirnstamm in derselben Region verarbeitet wie die Migränebahnen. Dauerhafte Muskelverspannung erzeugt die Attacke nicht direkt, kann aber eine Belastung sein, die ihre Häufigkeit erhöht.
Wie schreitet es fort?
- 1
Vorbotenphase
Stunden, manchmal einen Tag vor der Attacke können Gähnen, Heißhunger, Unruhe, ein steifer Nacken oder starke Müdigkeit auftreten.
- 2
Aura
Sie tritt nicht bei allen auf. Möglich sind leuchtende Linien im Gesichtsfeld, ein blinder Fleck, Kribbeln in Hand und Zunge oder Schwierigkeiten, Wörter zu finden; meist geht das innerhalb einer Stunde vorüber.
- 3
Kopfschmerzphase
Pochender Schmerz, Übelkeit sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit stehen im Vordergrund. Weil Bewegung den Schmerz verstärkt, möchte man sich hinlegen.
- 4
Rückbildungsphase
Nach dem Abklingen des Schmerzes können etwa einen Tag lang Erschöpfung, Konzentrationsschwäche und ein Gefühl von Benommenheit im Kopf zurückbleiben.
Wie wird es behandelt?
Migräne wird in der Zahnmedizin nicht behandelt. Die Anlaufstelle für dieses Beschwerdebild ist die neurologische Praxis. Ein Kopfschmerztagebuch über einige Wochen erleichtert die Beurteilung: Notiert werden Beginn und Dauer der Attacke, die betroffene Seite, die Begleitzeichen und die an diesem Tag eingenommenen Medikamente.
In der Neurologie sind eine ausführliche Anamnese und eine neurologische Untersuchung zu erwarten; ist das Bild untypisch oder kommen neue Befunde hinzu, kann eine Bildgebung angefordert werden. Die Behandlung, die eine Attacke stoppt, und die vorbeugende Behandlung, die Attacken seltener machen soll, sind getrennte Entscheidungen. Wahl, Dosis und Einnahmehäufigkeit eines Medikaments entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
Die Rolle der Zahnärztin oder des Zahnarztes ist es, das zu erkennen und zu unterscheiden. Im schmerzenden Bereich werden die Vitalität der Zähne, die Reaktion auf Aufbiss und Klopftest sowie Röntgenaufnahmen beurteilt. Findet sich keine Ursache am Zahn, kommen Wurzelkanalbehandlung, Wurzelspitzenresektion oder Zahnentfernung nicht infrage, und die Patientin oder der Patient wird an die Neurologie verwiesen. Besteht zusätzlich eine Pressgewohnheit, wird sie als eigenes Thema behandelt.
- Ungewöhnlich plötzlich einsetzender Kopfschmerz, der in kurzer Zeit sein Maximum erreicht
- Eine zum ersten Mal auftretende Aura oder ein neurologisches Zeichen, das länger als eine Stunde anhält
- Fieber, steifer Nacken oder Bewusstseinstrübung zusätzlich zum Kopfschmerz
- Ein Kopfschmerz, dessen Muster sich ändert, der immer stärker wird oder erstmals im höheren Lebensalter beginnt
Wie beugt man vor?
- Halten Sie Schlaf, Mahlzeiten und Trinkmenge in einem festen Rhythmus und lassen Sie möglichst keine Mahlzeit aus.
- Führen Sie einige Wochen lang ein Attackentagebuch und arbeiten Sie Ihre persönlichen Auslöser heraus.
- Ruhen Sie während einer Attacke in einer dunklen, stillen Umgebung und legen Sie den Bildschirm weg.
- Zählen Sie die Tage, an denen Sie Schmerzmittel nehmen, und melden Sie es, wenn die Zahl steigt.
Häufige Fragen
- Kann man Migräneschmerz für Zahnschmerz halten?
- Das ist möglich. Weil die Empfindung von Gesicht und Zähnen vom selben Nerv getragen wird, kann Migräneschmerz in den oberen Backenzähnen zu spüren sein. Unterscheidend ist, dass der Schmerz in Attacken kommt und geht und dass Übelkeit sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit dazugehören. Zahnbedingter Schmerz hängt dagegen meist mit Wärme, Kälte oder Aufbeißen zusammen.
- An meinem Zahn wurde nichts gefunden, warum spüre ich den Schmerz dort?
- Der Ort, an dem ein Schmerz gespürt wird, muss nicht der Ort des Problems sein. Das Gehirn kann Signale aus derselben Nervenbahn in Nachbarregionen projizieren. Der richtige Schritt ist dann nicht, an einem gesunden Zahn zu arbeiten, sondern den Kopfschmerz in die neurologische Abklärung zu bringen.
- Beugt eine Aufbissschiene Migräne vor?
- Eine Aufbissschiene wird eingesetzt, um die Muskelbelastung durch Zähnepressen zu senken; eine Behandlung der Migräne selbst ist sie nicht. Wenn Sie pressen, kann der zusätzliche muskuläre Schmerz zurückgehen. Dass die Attacken dadurch ausbleiben, ist jedoch nicht zu erwarten. Über die Migränebehandlung entscheidet die Neurologie.
Dieser Inhalt dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche Untersuchung. Symptome überschneiden sich zwischen Erkrankungen; eine Diagnose kann nur klinisch gestellt werden.
