Was ist das?
Die Ohrtrompete ist ein kurzer Kanal, der das Mittelohr mit dem Nasenrachen verbindet. Beim Schlucken und beim Gähnen öffnet sie sich kurz und gleicht den Druck im Mittelohr an die Umgebung an. Öffnet sie sich nicht ausreichend, sinkt der Druck hinter dem Trommelfell; das Ohr fühlt sich voll, verstopft und wie unter Druck an.
Typisch sind ein Völlegefühl, Knacken, das Nachhallen der eigenen Stimme im Ohr und der Eindruck, Geräusche kämen aus der Ferne. Im Flugzeug, im Aufzug und beim Tauchen wird das deutlicher; bei Erkältung, Allergie und verstopfter Nase nimmt es zu. Schlucken oder Gähnen kann kurzzeitig Erleichterung bringen.
In der Zahnarztpraxis kommt dieses Bild deshalb zur Sprache, weil dieselben Beschwerden auch vom Kiefergelenk ausgehen können. Bei einem Völlegefühl aus dem Gelenk nehmen die Beschwerden beim Kauen zu, der Bereich vor dem Ohr und die Schläfe sind druckempfindlich, und Öffnen und Schließen des Mundes verändert das Gefühl. Geht es von der Ohrtrompete aus, stehen dagegen die Nase und die Druckverhältnisse im Vordergrund.
Anzeichen
Sie müssen nicht alle davon gleichzeitig haben.
Warum entsteht es?
- 01
Infekte der oberen Atemwege und Allergie
Bei einer Erkältung und bei Heuschnupfen schwillt die Schleimhaut im Nasenrachen an, und die Mündung der Ohrtrompete wird enger. Das ist der häufigste Hintergrund, und die Beschwerde hält meist noch eine Weile an, nachdem der Infekt abgeklungen ist.
- 02
Verstopfte Nase und verlegter Nasenrachen
Eine vergrößerte Rachenmandel, eine dauerhaft verstopfte Nase und Mundatmung erschweren das Öffnen der Ohrtrompete. Bei Kindern steckt hinter einem Völlegefühl im Ohr häufig dieses Bild.
- 03
Druckwechsel
Flug, Tauchgang und schneller Höhenwechsel belasten die Ohrtrompete. Mit einer Erkältung zu fliegen kann deutliche Ohrenschmerzen und ein Völlegefühl hinterlassen; beim Landeanflug wird das meist stärker gespürt.
- 04
Dauerreize für die Schleimhaut
Tabakrauch, Stäube am Arbeitsplatz und Reflux können eine anhaltende Schwellung der Schleimhaut im Nasenrachen verursachen. Eine einseitige Beschwerde bei Erwachsenen, die nicht vergeht, macht eine gesonderte Untersuchung des Nasenrachens erforderlich.
Wie schreitet es fort?
- Verlegte Form
Die Ohrtrompete öffnet sich nicht ausreichend
Das ist die häufigste Form. Im Vordergrund stehen Druckgefühl, Völle und eine leichte Hörminderung; meist geht sie mit einer verstopften Nase einher.
- Druckform
Beschwerden bei Flug und Tauchgang
Die Beschwerde tritt nur bei schnellen Druckwechseln auf. Beim Landeanflug schmerzt das Ohr und fühlt sich verschlossen an, meist bildet sich das innerhalb von Stunden zurück.
- Offene Form
Die Ohrtrompete schließt nicht
Sie ist seltener. Die eigene Stimme und der eigene Atem hallen im Ohr; beim Vorbeugen oder Hinlegen nimmt die Beschwerde ab. Sie kann nach schnellem Gewichtsverlust auftreten.
- Anhaltendes Bild
Beschwerden über mehr als drei Monate
Vergeht die Beschwerde nicht oder bleibt sie hartnäckig einseitig, ist eine endoskopische Untersuchung des Nasenrachens nötig. Diese Beurteilung ist Aufgabe der HNO-Praxis.
Wie wird es behandelt?
Anlaufstelle für dieses Bild ist die HNO-Praxis. Dort wird das Trommelfell mit dem Otoskop betrachtet; eine Tympanometrie zur Messung des Mittelohrdrucks und ein Hörtest können durchgeführt werden, bei Bedarf werden Nase und Nasenrachen endoskopisch beurteilt. Die Diagnose entsteht aus dieser Untersuchung; die Zahnarztpraxis stellt diese Diagnose nicht.
Der Plan der HNO-Praxis richtet sich meist auf die zugrunde liegende Ursache; verstopfte Nase, Allergie, vergrößerte Rachenmandel und Reflux werden dabei angegangen. Bei Menschen mit lang anhaltenden Beschwerden können Eingriffe am Trommelfell oder Verfahren zur Erweiterung der Ohrtrompete erwogen werden. Reihenfolge und Zeitpunkt dieser Möglichkeiten entscheidet die dortige Praxis.
Die Rolle der Zahnarztpraxis beschränkt sich auf Erkennen und Abgrenzen. Untersucht werden Kaumuskulatur, Kiefergelenk und Verzahnung; deuten die Befunde auf das Gelenk, wird das Thema im zahnärztlichen Bereich weiterverfolgt, stehen Befunde an Ohr und Nase im Vordergrund, erfolgt die Weiterleitung. Dass eine Behandlung am Kiefergelenk das Völlegefühl im Ohr beseitigt, lässt sich nicht sagen.
- Plötzlich aufgetretener Hörverlust; erfordert eine Abklärung noch am selben Tag
- Ohrenschmerzen, Fieber und Ausfluss aus dem Ohr
- Einseitiges Völlegefühl im Ohr bei Erwachsenen, das über Wochen nicht vergeht
- Schwäche im Gesicht oder Doppelbilder zusammen mit den Ohrbeschwerden
Wie beugt man vor?
- Lassen Sie eine verstopfte Nase und Allergiebeschwerden nicht schleifen; der Druck im Ohr wird zu einem großen Teil über die Nase geregelt.
- Wenn Sie mit einer Erkältung fliegen müssen, schlucken Sie beim Landeanflug häufig; für Kinder sprechen Sie das vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
- Halten Sie sich von Tabakrauch fern; Rauch kann eine anhaltende Schwellung der Schleimhaut im Nasenrachen verursachen.
- Wenn Ihr Kind ständig durch den Mund atmet und schnarcht, lassen Sie es untersuchen, bevor Ohrbeschwerden beginnen.
Häufige Fragen
- Kommt mein Völlegefühl im Ohr vom Kiefergelenk?
- Die Abgrenzung leistet die Untersuchung. Beschwerden, die beim Kauen zunehmen, die bei Druck vor dem Ohr und an der Schläfe empfindlich reagieren und die sich beim Öffnen und Schließen des Mundes verändern, sprechen für das Gelenk. Beschwerden im Zusammenhang mit verstopfter Nase, Flügen und Erkältung deuten auf die Ohrtrompete. Beides kann bei derselben Person auch zusammen vorliegen.
- Die HNO-Praxis hat nichts gefunden, was kann die Zahnarztpraxis tun?
- Die Zahnarztpraxis untersucht Kiefergelenk und Kaumuskulatur. Sprechen die Befunde für ein Geschehen am Gelenk, wird das im eigenen Fachbereich weiterverfolgt. Ergibt die Untersuchung keinen solchen Befund, geht die Beurteilung wieder an die HNO-Praxis zurück; Ohrbeschwerden werden nicht mit einer Zahnbehandlung erklärt.
- Kommt mein Ohrgeräusch von der Ohrtrompete?
- Ein Ohrgeräusch kann eine Tubenfunktionsstörung begleiten, belegt diese Diagnose für sich allein aber nicht. Ohrgeräusche stehen auch mit Hörverlust, mit Erkrankungen des Mittelohrs und mit anderen Ursachen in Verbindung. Deshalb sind zunächst eine HNO-Untersuchung und ein Hörtest zu erwarten.
Dieser Inhalt dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche Untersuchung. Symptome überschneiden sich zwischen Erkrankungen; eine Diagnose kann nur klinisch gestellt werden.
