Was ist das?
Beim Reflux fließt Mageninhalt zurück in die Speiseröhre und gelegentlich bis in den Mund. Magensäure ist stark genug, um den Zahnschmelz zu lösen. Was sie im Mund hinterlässt, unterscheidet sich von Karies: Karies ist eine Zerstörung durch Bakterien, die Erosion dagegen eine chemische Auflösung durch Säure.
Der Abtrag zeigt sich am stärksten an den Gaumenflächen der oberen Frontzähne und an den Kauflächen der Backenzähne. Der Zahnschmelz wird dünner, die Zähne wirken durchscheinend, ihre Kanten werden kerbig und das darunter liegende gelbliche Dentin kommt zum Vorschein. Die Ränder von Füllungen stehen mit der Zeit über den Zahn hinaus, denn die Füllung löst sich nicht auf, der Zahn um sie herum schon.
Die Beschwerden äußern sich nicht immer als Brennen hinter dem Brustbein. Saures Aufstoßen in der Nacht, morgendliches Brennen im Hals, eine lange anhaltende Heiserkeit, Schleim im Rachen und das Gefühl, dass im Hals etwas stecken bleibt, können ebenfalls zum Reflux gehören. Bei manchen Menschen ist das einzige Zeichen eine zunehmende Empfindlichkeit der Zähne.
Anzeichen
Sie müssen nicht alle davon gleichzeitig haben.
Warum entsteht es?
- 01
Der Magenverschluss erschlafft
Schließt der Muskelring am unteren Ende der Speiseröhre nicht ausreichend, gelangt Mageninhalt nach oben. Übergewicht, ein Zwerchfellbruch und eine Schwangerschaft sind die wichtigsten Umstände, die diesen Verschluss erschweren.
- 02
Essgewohnheiten und Lebensweise
Schwere Mahlzeiten zu später Stunde, säurehaltige und kohlensäurehaltige Getränke, Kaffee, Alkohol und Rauchen begünstigen den Reflux. Sich unmittelbar nach dem Essen hinzulegen erleichtert der Säure den Weg nach oben.
- 03
Rückfluss in der Nacht
Im Liegen fehlt die Schwerkraft; Säure, die nachts hochsteigt, bleibt länger im Mund. Bei Menschen, deren Atmung im Schlaf erschwert ist, können Druckschwankungen im Brustkorb das Geschehen verstärken.
- 04
Der Schutz im Mund lässt nach
Speichel verdünnt die Säure und schwächt ihre Wirkung ab. Bei Mundtrockenheit, bei nächtlicher Mundatmung und unter Medikamenten, die den Speichel vermindern, richtet dieselbe Säuremenge weit größeren Schaden an.
Wie schreitet es fort?
- 1
Der Zahnschmelz verliert seinen Glanz
Die Oberfläche wird matt, eine leichte Empfindlichkeit gegenüber Kaltem und Süßem beginnt. Länge und Form der Zähne haben sich noch nicht verändert. In dieser Phase geht es vor allem darum, die Quelle zu stoppen.
- 2
Der Zahnschmelz wird dünner, das Darunterliegende zeigt sich
Die Kanten der Frontzähne werden durchscheinend, auf den Höckern der Backenzähne bilden sich kleine Mulden. Die Empfindlichkeit nimmt zu; die Ränder von Füllungen beginnen über den umgebenden Zahn hinauszustehen.
- 3
Zahnsubstanz geht deutlich verloren
Die Zähne werden kürzer, das gelbliche Innengewebe liegt großflächig frei und die Empfindlichkeit beeinträchtigt den Alltag. In dieser Phase kommt der Bedarf an Restaurationen auf.
- 4
Die Bisshöhe verändert sich
Ein ausgedehnter Substanzverlust wirkt sich auf die Bisshöhe und auf die Lachlinie aus. Die Behandlung verlässt die Ebene des einzelnen Zahns und wird zu einem Neuaufbau des gesamten Bisses.
Wie wird es behandelt?
Den Schaden im Mund versorgt die Zahnärztin oder der Zahnarzt, die Ursache nicht. Am Muster des Abtrags lässt sich der Säurekontakt erkennen; gegen die Empfindlichkeit kommen Fluorid und schützende Maßnahmen zum Einsatz, und verlorene Flächen werden mit Komposit oder mit Kronen wieder aufgebaut. Solange der Säurekontakt anhält, verkürzt sich die Lebensdauer der Restauration.
Diagnose und medikamentöse Behandlung des Reflux gehören in die Gastroenterologie. Halten Ihre Beschwerden an, steigt Ihnen nachts saures Wasser in den Mund oder schreitet der Abtrag in den Kontrollen fort, werden Sie zur Abklärung überwiesen. Ob ein Magenmedikament begonnen wird, in welcher Dosis und wie lange, ist keine Entscheidung der Zahnmedizin.
Gehen beide Seiten nicht zusammen, hält das Ergebnis nicht. Werden ausgedehnte Restaurationen angefertigt, ohne die Ursache unter Kontrolle zu bringen, ist mit frühem Bruch und einer Erneuerung zu rechnen; wird die Ursache behandelt, die Seite des Mundes aber vernachlässigt, bestehen Empfindlichkeit und Substanzverlust fort.
- Das Gefühl, dass beim Schlucken etwas stecken bleibt, oder Schluckbeschwerden
- Ungewollter Gewichtsverlust und Appetitlosigkeit
- Blut im Erbrochenen oder im Stuhl
- Heiserkeit, die länger als drei Wochen anhält
Wie beugt man vor?
- Legen Sie sich in den zwei Stunden nach dem Essen nicht hin; beenden Sie das Abendessen mindestens drei Stunden vor dem Zubettgehen.
- Putzen Sie nicht sofort, nachdem Ihnen saures Wasser in den Mund gestiegen ist; Sie tragen den aufgeweichten Zahnschmelz sonst ab. Spülen Sie zuerst mit Wasser, warten Sie etwa eine halbe Stunde und putzen Sie dann.
- Nehmen Sie säure- und kohlensäurehaltige Getränke zusammen mit einer Mahlzeit zu sich, statt sie über den Tag zu verteilen; mit einem Strohhalm zu trinken verringert den Kontakt mit der Zahnoberfläche.
- Sagen Sie es Ihrer Zahnärztin oder Ihrem Zahnarzt, wenn Sie nachts unter Mundtrockenheit leiden; bei weniger Speichel richtet dieselbe Säure mehr Schaden an.
Häufige Fragen
- Kommt der Abtrag an meinen Zähnen vom Reflux oder vom Pressen?
- Beides zusammen ist ebenfalls möglich. Knirschen und Pressen nutzen die Zähne mechanisch ab und hinterlassen glatte, glänzende Schliffflächen. Bei einem Säureabtrag wirken die Flächen dagegen matt, muldig und durchscheinend. Die Unterscheidung ergibt sich aus dem Muster, das sich bei der Untersuchung zeigt.
- Kommt abgetragener Zahnschmelz zurück?
- Verlorener Zahnschmelz kommt nicht zurück; er ist kein lebendes Gewebe und erneuert sich nicht selbst. Im frühen Stadium lässt sich der Verlust aufhalten und die Empfindlichkeit verringern. Bei fortgeschrittenem Verlust wird die fehlende Fläche mit einer Restauration ersetzt.
- Ich nehme ein Magenmedikament, nutzen sich meine Zähne trotzdem ab?
- Der Abtrag kann weitergehen. Das Medikament schwächt die Säure ab, hält den Rückfluss selbst aber nicht immer auf; Rückfluss in der Nacht und Mundtrockenheit können bestehen bleiben. Deshalb muss der Abtrag mit regelmäßigen Kontrollen beobachtet werden.
Dieser Inhalt dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche Untersuchung. Symptome überschneiden sich zwischen Erkrankungen; eine Diagnose kann nur klinisch gestellt werden.
