Papatya Dental7/24
Wurzelkanal & Endodontie

Was bei der Wurzelkanalbehandlung das Zahninnere wirklich reinigt

Bei einer Wurzelkanalbehandlung denken viele an feine Instrumente, die Feilen. Doch sie formen vor allem den Kanal; die Reinigung, die schmale Seitenäste und Nischen erreicht, leisten Spüllösungen. Hier geht es um diesen unsichtbaren Teil der Behandlung.

RedaktionPapatya Dental21. September 20264 Min. Lesezeit

Ein Wurzelkanal ist kein gerades Rohr

In der Mitte jedes Zahns liegt ein weiches Gewebe mit Nerven und Blutgefäßen, die Pulpa, die sich durch schmale Kanäle bis in die Wurzel zieht. Diese Kanäle sind oft gekrümmt oder abgeflacht; es kann feine Seitenäste geben, schmale Verbindungen zwischen zwei Kanälen und kleine Verzweigungen nahe der Wurzelspitze. Das Dentin rund um den Kanal, also die Schicht unter dem Zahnschmelz, ist von mikroskopisch feinen Kanälchen durchzogen. Entzündet sich die Pulpa und stirbt ab, setzen sich Bakterien in diesen Nischen fest und leben meist als haftende, sich selbst schützende Schicht auf der Oberfläche, dem sogenannten Biofilm.

Feilen formen, erreichen aber nicht jede Wand

Bei der Wurzelkanalbehandlung (das Fachgebiet heißt Endodontie) kommen feine, biegsame Metallinstrumente zum Einsatz: Feilen. Sie erweitern den Kanal zu einer glatten Form und tragen den Großteil des entzündeten oder abgestorbenen Gewebes ab, dazu einen Teil des infizierten Dentins an den Wänden. Eine Feile arbeitet jedoch drehend und hat einen runden Querschnitt: Sie erreicht nicht alle Wände eines flachen oder ovalen Kanals und gelangt gar nicht in Seitenäste oder schmale Verbindungen. Den Kanal noch weiter aufzubereiten, ist keine Lösung, denn die Wurzel wird dadurch dünner und schwächer. Der vielleicht wichtigste Beitrag der Feilen: Sie bahnen der Spüllösung einen Weg in die Tiefe des Kanals.

Die eigentliche Desinfektion leistet die Spüllösung

In jeder Phase der Aufbereitung wird der Kanal mit einer Flüssigkeit gespült. Am häufigsten wird Natriumhypochlorit verwendet, eine für den medizinischen Gebrauch verdünnte Lösung des Wirkstoffs aus Haushaltsbleiche. Es tötet Bakterien ab, löst Gewebereste auf und fließt als Flüssigkeit auch in Nischen, die kein Instrument berührt. Die klinische Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Endodontologie (ESE) nennt Hypochlorit allein oder Hypochlorit gefolgt von EDTA als Optionen, die infrage kommen.

  • Natriumhypochlorit: tötet Bakterien ab und löst Reste von lebendem oder abgestorbenem Gewebe auf.
  • EDTA: löst die dünne Spanschicht, die die Feilen an den Wänden hinterlassen, und öffnet die Eingänge der Dentinkanälchen.

Warum das Spülen Zeit braucht

Damit eine Lösung wirkt, muss sie Bakterien und Gewebe erreichen, eine Weile dort bleiben und erneuert werden. Hypochlorit verbraucht sich, während es Gewebe auflöst; deshalb wird der Kanal während der Behandlung immer wieder neu gefüllt. Die feine Kanüle wird etwas vor der Wurzelspitze gehalten und nie im Kanal verkeilt, damit keine Flüssigkeit in das Gewebe außerhalb der Wurzel gelangt. Dadurch wird die Lösung im engen Bereich nahe der Wurzelspitze nur langsam ausgetauscht. Ein großer Teil der langen Minuten auf dem Behandlungsstuhl, in denen scheinbar nichts passiert, ist genau dieses Spülen.

Was die Aktivierung bewirkt

Aktivierung heißt, die Spüllösung im Kanal durch Schwingungen in Bewegung zu versetzen. Eine Ultraschall- oder Schallspitze erzeugt schnelle Strömungen und mikroskopisch kleine Bläschen; so soll die Lösung besser in Seitenäste und an den Biofilm auf den Wänden gelangen. In einigen klinischen Studien hatten Behandelte mit aktivierter Spülung in den ersten ein, zwei Tagen etwas weniger Schmerzen, die Aussagesicherheit dieser Daten ist aber nur niedrig bis mäßig. Laut ESE-Leitlinie belegen keine vergleichenden Daten, dass solche Zusatzverfahren zu besserer Heilung führen als die übliche Spülung mit der Kanüle; bei Entzündungen an der Wurzelspitze rät sie mit schwacher Empfehlung davon ab, sie routinemäßig hinzuzufügen. Aktivierung kann nützlich sein, entscheidet aber nicht allein über den Erfolg.

Warum es manchmal zwei Sitzungen sind

Ein Cochrane-Review, der die Studien zu einer gegenüber zwei oder mehr Sitzungen zusammenfasst, fand ein Jahr später auf dem Röntgenbild keinen Unterschied in der Heilung; Schmerzen in der ersten Woche gab nach einer einzigen Sitzung allerdings ein höherer Anteil an. Die ESE-Leitlinie empfiehlt eine Sitzung, wenn alle nötigen Schritte darin vollständig durchgeführt werden konnten. Eine zweite Sitzung kommt meist infrage, wenn das nicht gelingt: Der Kanal nässt ständig und lässt sich nicht trocknen, die Anatomie ist komplizierter als erwartet, die Zeit reicht nicht, oder das lange Offenhalten des Mundes fällt zu schwer. Wie viel Schmerz danach normal ist, behandelt ein eigener Beitrag.

Kofferdam und dichter Verschluss

Dass der gereinigte Kanal nicht erneut verunreinigt wird, ist genauso wichtig wie die Reinigung selbst. Deshalb wird während der gesamten Behandlung ein Kofferdam um den Zahn gelegt: ein dünnes Spanngummi mit einem Loch in der Mitte, das nur den behandelten Zahn freilässt. Die Amerikanische Vereinigung der Endodontologen (AAE) betrachtet ihn als unverzichtbaren Standard der Wurzelkanalbehandlung. Er hält Bakterien aus dem Speichel vom Kanal fern und verhindert, dass kleine Instrumente oder Spüllösung verschluckt oder eingeatmet werden. Zum Schluss werden die Kanäle gefüllt und der Zahn oben dicht verschlossen. Bleibt die obere Füllung lange provisorisch oder ist sie am Rand undicht, können Bakterien in den gereinigten Kanal zurückkehren.

Häufige Fragen

Was ist, wenn ich während der Behandlung ein Brennen oder einen bitteren Geschmack spüre?

Sitzt der Kofferdam richtig, sollte keine Spüllösung in den Mund gelangen; ein leichter Chlorgeruch ist normal. Bemerken Sie einen bitteren Geschmack oder ein Brennen an Zunge oder Lippen, heben Sie die Hand und sagen Sie es sofort. Der Rand des Kofferdams wird dann erneut geprüft und der Mund bei Bedarf ausgespült.

Was bedeutet ein plötzlicher, starker Schmerz während des Spülens?

Selten kann Spüllösung über die Wurzelspitze in das umliegende Gewebe austreten. Das zeigt sich meist noch während der Behandlung durch plötzlichen, starken Schmerz und eine rasch zunehmende Schwellung; die Behandlung wird dann unterbrochen und sofort gegengesteuert. Nimmt die Schwellung im Gesicht zu Hause zu oder kommen Fieber, Schluck- oder Atembeschwerden hinzu, suchen Sie ohne Zeitverlust Hilfe, notfalls in der Notaufnahme.

Ich reagiere auf Bleichmittel oder Chlor. Sollte ich das sagen?

Ja, sagen Sie es vor der Behandlung. Eine echte Allergie gegen Hypochlorit ist selten, doch nach einer früheren Reaktion kann eine andere Spüllösung in Betracht kommen. Diese Lösungen lösen Gewebe nicht gleich gut auf, deshalb ändert sich auch der Reinigungsplan.

Ich habe eine Latexallergie. Kann trotzdem ein Kofferdam verwendet werden?

Ja. Es gibt latexfreien Kofferdam, der denselben Zweck erfüllt. Es genügt, die Allergie zu Beginn des Termins zu nennen; Handschuhe und andere Materialien werden dann entsprechend gewählt.

Kann ich unter dem Kofferdam atmen, wenn meine Nase verstopft ist?

Der Kofferdam bedeckt den Mund, lässt die Nase aber frei, und die meisten atmen problemlos durch sie. Bei Schnupfen oder einer häufig verstopften Nase sagen Sie es gleich zu Beginn. Ein Rand des Kofferdams lässt sich lockern, kurze Pausen sind möglich, oder der Termin wird verschoben, bis die Nase wieder frei ist.

Zeigt ein Röntgenbild, dass der Kanal sauber ist?

Nicht direkt. Das Röntgenbild zeigt, wie nah die Füllung an die Wurzelspitze reicht und wie dicht sie den Kanal ausfüllt, aber nicht, ob die Bakterien verschwunden sind. War an der Wurzelspitze durch eine Entzündung ein dunkler Bereich zu sehen, erkennt man die Heilung daran, dass er mit der Zeit kleiner wird. Kontrollaufnahmen werden deshalb meist erst Monate nach der Behandlung gemacht.

Quellen

Dieser Beitrag stützt sich auf die klinische Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Endodontologie, einen Cochrane-Review zu einer oder mehreren Sitzungen, die AAE-Stellungnahme zum Kofferdam und eine Umbrella-Review zu Schmerzen nach der Behandlung. Die Datenlage zu Aktivierungsmethoden ist noch begrenzt und uneinheitlich.

Dieser Inhalt dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Untersuchung.

Redaktion

Papatya Dental

Dieser Beitrag beruht auf der klinischen Erfahrung des Papatya Dental Teams und wird vor der Veröffentlichung auf Richtigkeit geprüft.

Zuletzt aktualisiert:
2026-09-21
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