Wie der Defekt aussieht und wo er entsteht
Meist fällt er auf, wenn der Fingernagel hängen bleibt, oder beim Blick in den Spiegel: eine kleine Mulde auf der Wangenseite eines Zahns, genau dort, wo er auf das Zahnfleisch trifft. Diese Stelle heißt Zahnhals; hier endet der Schmelz und beginnt die Wurzel. Die Mulde kann wie ein scharfkantiges V aussehen oder flach und rund sein. Am häufigsten betroffen sind die kleinen Backenzähne und die Eckzähne, oft mehrere Zähne zugleich, und mit dem Alter wird sie häufiger. Fachleute sprechen von einem nichtkariösen Zahnhalsdefekt: Er entsteht nicht durch Bakterien, sondern weil Zahnsubstanz über Jahre nach und nach verloren geht.
Drei mögliche Ursachen, oft gemeinsam
Selten steckt nur eine Ursache dahinter. Die drei folgenden Vorgänge verstärken sich meist gegenseitig: Säure weicht die Oberfläche auf, und die Bürste trägt die aufgeweichte Oberfläche leichter ab. Die Form der Mulde gibt einen Hinweis, beweist die Ursache aber nicht allein.
- Abrasion (mechanischer Abrieb): eine harte Zahnbürste, waagerechtes Schrubben, zu viel Druck oder eine stark abrasive Zahnpasta. Studien nennen am häufigsten Putztechnik und Putzhäufigkeit, laut einer systematischen Übersichtsarbeit sind die Daten jedoch größtenteils nicht eindeutig.
- Erosion (Säureschaden): saure Getränke, häufig Zitrusfrüchte oder Essiggerichte, Reflux oder wiederholtes Erbrechen. Säure löst den Schmelz ohne Beteiligung von Bakterien; die Mulde ist dann meist flacher und runder.
- Abfraktion (Verlust durch Verbiegung): Vermutet wird, dass sich beim Pressen oder Knirschen Spannung am Zahnhals sammelt und den Schmelz in winzigen Stücken absprengt. Scharfkantige, keilförmige Defekte werden oft so erklärt.
Warum die Rolle von Pressen und Knirschen umstritten ist
Die Vorstellung der Abfraktion beruht vor allem auf Laborversuchen und Computermodellen: Ein kräftiger Biss verbiegt den Zahn minimal, und die Spannung sammelt sich am Zahnhals. Studien an Patienten zeigen dieses Bild nicht so klar. Eine systematische Übersichtsarbeit zum Zusammenhang zwischen Biss (wie obere und untere Zähne aufeinandertreffen) und diesen Defekten fand sehr unterschiedliche Studiendesigns und Diagnosekriterien; die Rolle des Bisses ist demnach noch nicht geklärt. Wer presst, hat den Defekt also nicht zwingend dadurch bekommen. Wichtig bleibt das Pressen trotzdem, weil es die Haltbarkeit einer Füllung beeinflussen kann.
Wie er sich von Karies unterscheidet
Karies entsteht durch Säure von Bakterien im Zahnbelag und weicht den Zahn auf. Die Oberfläche eines nichtkariösen Defekts ist dagegen meist hart, glatt und glänzend. Eine gelbliche Farbe bedeutet keine Karies: Das Dentin unter dem Schmelz ist von Natur aus gelblich, und genau dieses Gewebe liegt im Defekt frei. In der Praxis wird die Oberfläche mit einem feinen Instrument vorsichtig abgetastet, um Härte, Farbe und Belag zu beurteilen. Beides kann auch an derselben Stelle vorkommen: Die Wurzeloberfläche ist weicher als Schmelz, deshalb kann bei zurückgegangenem Zahnfleisch am Rand des Defekts Karies beginnen.
Ein Defekt kann auch empfindlich sein: Feine Kanälchen im freiliegenden Dentin führen zum Nerv, und Kaltes, Süßes oder die Bürste lösen einen kurzen, scharfen Schmerz aus. Wie stark er ist, hängt nicht immer von der Tiefe ab; eine tiefe Mulde kann schmerzfrei sein, eine flache dagegen deutlich empfindlich.
Füllen oder beobachten
Nicht jeder Defekt wird gefüllt. Ein flacher Defekt, der nicht empfindlich ist und nicht wächst, wird oft nur beobachtet; solche Defekte schreiten meist über Jahre langsam fort. In der Praxis lässt er sich mit Foto oder Intraoralscan festhalten und bei späteren Kontrollen vergleichen. Eine Füllung wird meist in diesen Fällen besprochen:
- Die Empfindlichkeit bleibt trotz Zahnpasta für empfindliche Zähne oder eines in der Praxis aufgetragenen Lacks.
- Der Defekt wird tiefer, schwächt den Zahnhals oder nähert sich dem Nerv.
- Die Mulde hält Belag und Speisereste fest und lässt sich schwer sauber halten.
- Im Defekt hat Karies begonnen, oder das Aussehen stört Sie.
Gefüllt wird meist mit einem zahnfarbenen Material, das am Zahn haftet: Komposit oder Glasionomerzement.
Warum eine Füllung manchmal herausfällt
Füllungen am Zahnhals lösen sich häufiger als Füllungen an anderen Zahnflächen. Ihr Rand liegt dicht am Zahnfleisch, was das Trockenhalten beim Legen erschwert, und weil hier wenig Schmelz vorhanden ist, haftet die Füllung größtenteils am Dentin. In einer Metaanalyse zum Halt solcher Füllungen gingen sie an Zähnen mit Schliffflächen durch Pressen oder Knirschen häufiger verloren, an Frontzähnen hielten sie besser; die Aussagesicherheit reichte von mittel bis niedrig.
Die Ursache stoppen
Verlorene Zahnsubstanz wächst nicht nach, doch das Fortschreiten lässt sich oft bremsen. Ein europäischer Konsensbericht zum säurebedingten Zahnverschleiß betont ebenfalls: Füllungen sollen Schmerzen und Empfindlichkeit lindern sowie Aussehen und Funktion wiederherstellen, aber nur zusammen mit vorbeugenden Maßnahmen.
- Verwenden Sie eine weiche Zahnbürste, drücken Sie nicht auf und putzen Sie mit kleinen Bewegungen vom Zahnfleisch zum Zahn statt waagerecht zu schrubben.
- Fragen Sie in der Praxis, wie abrasiv Ihre Zahnpasta ist; manche Weißmacher-Zahnpasten sind abrasiver als andere.
- Trinken Sie saure Getränke zu den Mahlzeiten und zügig, statt den ganzen Tag daran zu nippen.
- Sprechen Sie Reflux oder häufiges Erbrechen bei der Kontrolle an; beides braucht auch außerhalb des Mundes Behandlung.
- Wenn Sie nachts knirschen, besprechen Sie mit Ihrer Zahnärztin oder Ihrem Zahnarzt eine Aufbissschiene.
Häufige Fragen
Verschlimmert eine elektrische Zahnbürste die Defekte?
Einen belastbaren Beleg dafür gibt es nicht. Entscheidend sind Druck und Bewegung. Elektrische Bürsten mit Drucksensor können helfen, wenn man zu fest aufdrückt, weil sie dann warnen. Welche Bürste Sie auch nutzen: Führen Sie den Bürstenkopf sanft, statt ihn am Zahnfleisch zu reiben.
Schließt sich der Defekt von selbst?
Nein. Verlorener Schmelz und verlorenes Dentin werden vom Körper nicht neu gebildet. Fluorid kann die Oberfläche stärken und die Empfindlichkeit lindern, füllt die Mulde aber nicht. Ziel ist, das Wachstum zu stoppen und den Defekt bei Bedarf mit einer Füllung zu schließen.
Kann eine Füllung am Zahnfleischrand das Zahnfleisch reizen?
Da ihr Rand das Zahnfleisch berührt, muss die Füllung glatt und gut poliert sein; eine Stufe am Rand hält Belag fest und kann das Zahnfleisch reizen. Bemerken Sie danach an dieser Stelle Bluten oder Rötung, sprechen Sie es bei der Kontrolle an. Geht ein Defekt mit Zahnfleischrückgang einher, werden Füllung und Zahnfleischbehandlung manchmal gemeinsam geplant.
Verhindert eine Aufbissschiene Zahnhalsdefekte?
Einen direkten Beleg dafür gibt es nicht, zumal der Anteil des Pressens an diesen Defekten selbst unsicher ist. Die Schiene schützt die Kauflächen vor Abrieb durch Knirschen und wird aus diesem Grund besprochen, wenn es Anzeichen für nächtliches Knirschen gibt.
Kann ich meine Zähne bleichen lassen, wenn ich einen solchen Defekt habe?
Liegt im Defekt Dentin frei, kann das Bleichen die Zähne empfindlicher machen. Außerdem hellt Füllungsmaterial beim Bleichen nicht auf, deshalb wird eine danach gelegte Füllung an die neue Zahnfarbe angepasst. Die Reihenfolge sollten Sie vorher in der Praxis festlegen.
Quellen
Der Beitrag stützt sich auf systematische Übersichtsarbeiten zur Rolle von Zähneputzen und Biss bei diesen Defekten, auf eine Metaanalyse zum Halt von Füllungen und auf einen Konsensbericht der European Federation of Conservative Dentistry. Die Studienlage zu den Ursachen ist größtenteils nicht eindeutig, und das wird hier offen gesagt.
- Journal of Clinical Periodontology — Evidence for the occurrence of gingival recession and non-carious cervical lesions as a consequence of traumatic toothbrushing
- Journal of Oral Rehabilitation — Non-carious cervical lesions and occlusion: a systematic review of clinical studies
- Operative Dentistry — Do Tooth- and Cavity-related Aspects of Noncarious Cervical Lesions Affect the Retention of Resin Composite Restorations in Adults? A Systematic Review and Meta-analysis
- European Federation of Conservative Dentistry (Clinical Oral Investigations) — Consensus report of the European Federation of Conservative Dentistry: erosive tooth wear--diagnosis and management
Dieser Inhalt dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Untersuchung.
Redaktion
Papatya Dental
Dieser Beitrag beruht auf der klinischen Erfahrung des Papatya Dental Teams und wird vor der Veröffentlichung auf Richtigkeit geprüft.
- Zuletzt aktualisiert:
- 2026-09-21
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