Zwei Gewebe: festes Zahnfleisch und bewegliche Schleimhaut
Ziehen Sie die Unterlippe leicht herunter und betrachten Sie Ihre Frontzähne: Am Zahnhals liegt ein blassrosa, matter, fester Saum, darunter ein röteres, glänzendes Gewebe, das sich mit der Lippe bewegt. Der obere Saum ist keratinisiertes Gewebe, also Zahnfleisch mit einer widerstandsfähigen Oberfläche, das fest am Knochen haftet. Bei Zähnen heißt der am Knochen verankerte Teil befestigte Gingiva. Das Gewebe darunter ist die bewegliche Schleimhaut, die Wangen und Lippen innen auskleidet.
Auch um ein Implantat kann ein solcher Saum liegen; man spricht von keratinisierter Mukosa. Nach einem Zahnverlust kann er jedoch schmaler werden, oder das Implantat tritt direkt durch bewegliche Schleimhaut. Wie breit der Saum ist, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch und von Region zu Region.
Was ein schmaler Saum bewirken kann
Bewegliche Schleimhaut verträgt Reibung schlecht; sie kann bei Kontakt mit der Bürste schmerzen und leicht bluten. Oft putzt man diese Stelle dann unbewusst seltener oder zaghafter. Einem festen Saum schreibt man dagegen zu, eine stabilere Manschette um das Implantat zu bilden, die Bakterien und Reibung besser standhält. Bei schmalem Saum werden häufig beschrieben:
- Schmerzen oder Brennen an dieser Stelle beim Putzen.
- Die Bürste erreicht die Stelle schlecht, Belag sammelt sich am Implantat oder Zahn.
- Gerötetes Zahnfleisch und Bluten beim Putzen.
- Der Gewebesaum weicht mit der Zeit nach unten zurück.
Was die Studienlage sagt
Bei Zähnen ist das Bild klarer. Laut einem Konsensbericht der American Academy of Periodontology ist bei sehr guter Plaquekontrolle keine Mindestbreite nötig, um den Verlust des Zahnhalteapparats zu verhindern; ist die Plaquekontrolle unzureichend, gelten mindestens 2 mm als notwendig.
Bei Implantaten ist das Bild uneinheitlicher. Eine systematische Übersichtsarbeit fand bei Implantaten mit zu wenig festem Zahnfleisch mehr Belag, Entzündung, Rezessionen und Attachmentverlust. Eine neuere Übersichtsarbeit zeigte keinen Zusammenhang mit der periimplantären Mukositis, bei der die Entzündung auf das Weichgewebe beschränkt bleibt; fehlender Saum oder ein Saum unter 2 mm ging jedoch mit häufigerer Periimplantitis einher, die auch Knochen abbaut. Dieselbe Arbeit erwähnt, dass die 2-mm-Grenze als willkürlich kritisiert wird. Deutlicher stimmen die Übersichtsarbeiten bei der Erfahrung der Betroffenen überein: Bei zu wenig festem Zahnfleisch um Implantate werden Schmerzen und Unbehagen beim Putzen durchgängig berichtet.
Tägliche Pflege bei schmalem Saum
Nicht jeder schmale Saum braucht ein Transplantat. Ist die Stelle entzündungsfrei, schmerzt das Putzen nicht und bleibt der Gewebesaum von Kontrolle zu Kontrolle stabil, genügt es oft, die Pflege anzupassen:
- Verwenden Sie eine weiche Zahnbürste und reinigen Sie die Stelle ohne Druck mit kleinen Bewegungen.
- Reinigen Sie die Seiten von Implantat oder Zahn mit einer Interdentalbürste; die passende Größe wählt Ihre Zahnärztin oder Ihr Zahnarzt.
- Schmerzt eine Stelle beim Putzen, reinigen Sie sie behutsam statt sie auszulassen, und sprechen Sie es bei der Kontrolle an.
- Nehmen Sie Implantatkontrollen und professionelle Reinigungen regelmäßig wahr.
Wann ein Transplantat zur Sprache kommt
Bei einem Transplantat wird Gewebe aus einer anderen Stelle im Mund verpflanzt, um den festen Saum zu verbreitern. Es kommt meist infrage, wenn das Putzen dauerhaft so schmerzt, dass die Pflege leidet, wenn Entzündungen trotz sorgfältiger Pflege wiederkehren, wenn der Gewebesaum von Kontrolle zu Kontrolle zurückweicht oder wenn dort, wo ein Implantat geplant ist, gar kein festes Zahnfleisch vorhanden ist.
Die solideste Datenlage hat das freie Schleimhauttransplantat: Ein dünnes Stück Gewebe wird vom Gaumen entnommen und an der vorbereiteten Stelle festgenäht. Laut systematischen Übersichtsarbeiten verbreitern dieses Verfahren und ein Bindegewebstransplantat vom Gaumen den Saum am verlässlichsten. Auch Kollagenmatrizes kommen zum Einsatz, für die kein Gewebe vom Gaumen nötig ist: Der Eingriff ist kürzer und belastet weniger, der Zugewinn an festem Zahnfleisch fällt aber meist geringer aus.
Heilung nach einem Transplantat
Die Entnahmestelle am Gaumen heilt wie eine offene Wunde, die sich von selbst schließt; in den ersten Tagen sind Brennen und Empfindlichkeit beim Essen häufig. Zum Schutz des Gaumens kann Ihnen in dieser Zeit eine dünne Platte mitgegeben werden. Die transplantierte Stelle kann anschwellen und leicht bluten; sie wird bis zur Heilung nicht geputzt, zur Reinigung dient meist eine Mundspüllösung. Das Transplantat schrumpft in den ersten Monaten etwas und fügt sich nach und nach ein, kann aber etwas heller bleiben als das umgebende Zahnfleisch. Im sichtbaren Bereich sollte dieser Farbunterschied vorher besprochen werden.
Häufige Fragen
Lässt sich festes Zahnfleisch mit Zahnpasta, Mundspülung oder Massage vermehren?
Nein. Solche Mittel können Entzündungen lindern, sodass das Gewebe gesünder aussieht, verbreitern den festen Saum aber nicht. Dafür ist ein chirurgischer Eingriff nötig.
Tut ein Schleimhauttransplantat weh, und muss ich mir freinehmen?
Der Eingriff erfolgt unter örtlicher Betäubung, währenddessen spüren Sie keine Schmerzen. Danach bereitet vor allem die Wunde am Gaumen Beschwerden; die empfohlenen Schmerzmittel reichen meist aus. Wer im Büro arbeitet, ist oft bald wieder arbeitsfähig; in den ersten Tagen sollten Sie schwere körperliche Anstrengung sowie heiße, harte oder scharfe Speisen meiden.
Wird das Transplantat vor oder nach dem Implantat gemacht?
Beides ist möglich. Fehlt festes Zahnfleisch ganz, kann die Korrektur zusammen mit der Implantation, bei der Freilegung des Implantats oder vor dem Einsetzen der Krone geplant werden. Zeigt sich das Problem erst Jahre nach der Implantation, kann das Transplantat auch später erfolgen; eine bestehende Entzündung wird zuerst behandelt.
Am Rand meiner Prothese ist Gewebe gewuchert; hat das mit festem Zahnfleisch zu tun?
Das ist möglich. Ein schlecht sitzender Prothesenrand kann über Jahre gefaltetes, schlaffes Gewebe wuchern lassen. Bleibt nach dessen chirurgischer Entfernung zu wenig festes Zahnfleisch übrig, kann vor einer neuen Prothese oder einem Implantat ein Transplantat besprochen werden. Drückt Ihre Prothese ins Gewebe oder verursacht sie Druckstellen, lassen Sie den Sitz prüfen.
Wie wird die Breite des Saums gemessen?
Bei der Untersuchung wird der Abstand vom Zahnfleischrand bis zur Grenze, an der die bewegliche Schleimhaut beginnt, mit einer dünnen Sonde mit Millimeterskala gemessen; Lippe oder Wange können dabei leicht bewegt werden, damit die Grenze besser sichtbar wird. Gemessen wird meist auf der Wangenseite von Zahn oder Implantat. Eine neuere Übersichtsarbeit hält fest, dass diese Messung in die Risikobewertung um ein Implantat einfließen kann.
Quellen
Der Beitrag stützt sich auf systematische Übersichtsarbeiten zum festen Zahnfleisch um Implantate und auf den Konsensbericht der American Academy of Periodontology zu Zahnfleischtransplantaten. Wie die Breite des Saums mit Erkrankungen um Implantate zusammenhängt, ist noch nicht abschließend geklärt.
- Journal of Periodontal Research — Keratinized Mucosa Width and Incidence of Peri-Implant Diseases: A Systematic Review With Meta-Analysis
- Journal of Periodontology — The significance of keratinized mucosa on implant health: a systematic review
- Journal of Periodontology (American Academy of Periodontology) — Periodontal soft tissue non-root coverage procedures: a consensus report from the AAP Regeneration Workshop
- Journal of Clinical Periodontology — Efficacy of soft tissue augmentation around dental implants and in partially edentulous areas: a systematic review
Dieser Inhalt dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Untersuchung.
Redaktion
Papatya Dental
Dieser Beitrag beruht auf der klinischen Erfahrung des Papatya Dental Teams und wird vor der Veröffentlichung auf Richtigkeit geprüft.
- Zuletzt aktualisiert:
- 2026-09-21
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