Papatya Dental7/24

Kiefernekrose (nach Medikamenten und Strahlentherapie)

Manche Medikamente und eine Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich senken die Heilungsfähigkeit des Kieferknochens. Der unter dem Zahnfleisch sichtbare, frei liegende Knochen ist das kennzeichnende Merkmal dieses Krankheitsbildes.

Was ist das?

Eine Kiefernekrose liegt vor, wenn sich im Mund über mehr als acht Wochen eine Stelle nicht schließt und darunter der Knochen sichtbar ist. Der Knochen hat seine Vitalität verloren; weil das Zahnfleisch, das ihn bedecken sollte, nicht abheilt, bleibt die Stelle offen und ist den Bakterien dauerhaft ausgesetzt.

Dafür gibt es zwei Hauptursachen. Die erste sind Medikamente, die den Knochenabbau bremsen; sie kommen bei Osteoporose und bei einigen Krebsbehandlungen zum Einsatz, und in der Krebsdosierung ist das Risiko deutlich höher. Die zweite ist eine Strahlentherapie im Kopf- und Halsbereich; die Bestrahlung vermindert die Gefäßversorgung des Knochens dauerhaft.

Auslöser ist meist eine Zahnentfernung, ein chirurgischer Eingriff oder eine Stelle, an der eine Prothese scheuert; sie kann aber auch ganz ohne Eingriff auftreten. Schmerzen bestehen nicht immer. Das Erste, was auffällt, kann ein schlechter Geruch sein, eine raue Stelle, an der die Zunge hängen bleibt, oder eine Wunde, die nicht abheilt.

Anzeichen

Sie müssen nicht alle davon gleichzeitig haben.

Warum entsteht es?

  1. 01

    Medikamente, die den Knochenabbau bremsen

    Diese Medikamente verlangsamen den Erneuerungszyklus des Knochens. Der Kiefer ist die empfindlichste Region, weil er ständig mit den Bakterien im Mund in Kontakt steht und häufig behandelt wird. Wie hoch das Risiko ist, hängt vom Anwendungsgrund, von der Dosis und von der Dauer ab.

  2. 02

    Strahlentherapie im Kopf- und Halsbereich

    Die Bestrahlung vermindert das Gefäßnetz im Knochen dauerhaft. Ein schlechter durchbluteter Knochen kann sich nach einer Verletzung nicht mehr selbst instand setzen; deshalb besteht in einem Kiefer, der im Bestrahlungsfeld lag, das Risiko noch Jahre später fort.

  3. 03

    Zahnentfernung, Operation und Druck der Prothese

    Jeder Eingriff, der den Knochen erreicht, verlangt eine Heilung. Kann der Knochen diese Leistung nicht erbringen, schließt sich die Wunde nicht. Auch eine Stelle, an der eine schlecht sitzende Prothese scheuert, kann dasselbe Ergebnis haben.

  4. 04

    Bereits bestehende Entzündung im Mund

    Eine Entzündung an der Wurzelspitze, eine fortgeschrittene Zahnfleischerkrankung und eine mangelhafte Mundhygiene erhöhen das Risiko. Deshalb ist die Sanierung des Mundes vor Beginn der Medikamenten- oder Strahlentherapie der entscheidendste Schritt.

Wie schreitet es fort?

  1. Gefährdet

    Kein frei liegender Knochen

    Die Phase, in der jemand das Medikament einnimmt oder bestrahlt wurde, im Mund aber kein Knochen frei liegt. Jetzt gilt es, Zähne, die einen Eingriff brauchen, geplant und rechtzeitig anzugehen.

  2. Früh

    Knochen liegt frei, keine Beschwerden

    Der Knochen ist sichtbar, Schmerzen und Entzündungszeichen fehlen jedoch. Im Vordergrund stehen Mundhygiene, antiseptische Mundspülungen und regelmäßige Kontrollen; mit einem chirurgischen Eingriff wird nicht geeilt.

  3. Entzündet

    Schmerz und Infektion kommen hinzu

    Um den frei liegenden Knochen zeigen sich Rötung, Sekretaustritt und Schmerz. Ein Antibiotikum und eine oberflächliche Reinigung kommen infrage; das Ziel ist, die Ausdehnung des Gebietes zu begrenzen.

  4. Fortgeschritten

    Befunde über den Knochen hinaus

    Ein Fistelgang nach außen, ein Kieferbruch ohne äußere Gewalteinwirkung oder ein ausgedehnter Knochenverlust sind möglich. Die Entscheidung fällt im Krankenhaus gemeinsam mit der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie.

Wie wird es behandelt?

Im Vordergrund steht, Schmerz und Entzündung unter Kontrolle zu halten und das Größerwerden der offenen Stelle zu bremsen. Im frühen Stadium besteht das Vorgehen meist aus schonender Reinigung, antiseptischen Mundspülungen und regelmäßigen Kontrollen. Den frei liegenden Knochen großflächig abzutragen ist nicht in jedem Fall richtig; bei manchen Menschen vergrößert es das Gebiet.

Kommt eine Entzündung hinzu, stehen ein Antibiotikum, das Entfernen abgelöster, abgestorbener Knochenstücke und bei Bedarf eine Operation im Krankenhaus an. Diese Entscheidungen werden getroffen, indem die Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie und die behandelnde Onkologie, Endokrinologie oder Rheumatologie den Fall gemeinsam beurteilen.

Setzen Sie Ihr Medikament nicht auf eigene Faust ab. Ob es pausiert wird, entscheidet allein die Ärztin oder der Arzt, die es verordnet haben, und ein Abbruch der Behandlung hat eigene Risiken. Die Aufgabe der Zahnärztin oder des Zahnarztes besteht darin, den Befund früh zu bemerken, geplante Eingriffe in Absprache mit dieser Ärztin oder diesem Arzt zeitlich abzustimmen und die Mundpflege fortzuführen.

Nicht warten
  • Unter dem Zahnfleisch sichtbarer, frei liegender Knochen, der sich seit Wochen nicht schließt
  • Zunehmender Schmerz, Schwellung und ein Sekretaustritt nach außen
  • Ein neu aufgetretenes Taubheitsgefühl in der Unterlippe
  • Fieber und eine immer geringere Mundöffnung

Wie beugt man vor?

  • Ist ein Knochenmedikament oder eine Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich geplant, lassen Sie Ihre Zähne nach Möglichkeit vor Behandlungsbeginn untersuchen; Zähne, die entfernt werden müssen, werden vorher angegangen.
  • Nennen Sie bei jedem Zahnarzttermin die vollständige Liste Ihrer Medikamente und eine frühere Strahlentherapie.
  • Bessern Sie Stellen, an denen Ihre Prothese drückt oder scheuert, nicht selbst nach; kommen Sie für eine Anpassung in die Praxis.
  • Vernachlässigen Sie Mundpflege und regelmäßige Kontrollen nicht; das Einzige, was die Wahrscheinlichkeit senkt, dass ein entzündeter Zahn entfernt werden muss, ist eine frühe Behandlung.

Häufige Fragen

Bildet sich das zurück, wenn ich mein Medikament absetze?
Das Absetzen macht eine bereits bestehende Nekrose nicht rückgängig, und es auf eigene Faust zu tun ist riskant; es hat eigene Folgen wie einen Knochenbruch oder ein Fortschreiten der Grunderkrankung. Über eine Pause entscheidet allein die Ärztin oder der Arzt, die das Medikament verordnet haben, in Absprache mit der Zahnärztin oder dem Zahnarzt.
Tritt das bei allen auf, die diese Medikamente einnehmen?
Nein. In der Osteoporose-Dosierung ist die Häufigkeit gering; in der Dosierung einer Krebsbehandlung und in bestrahlten Kiefern steigt sie deutlich an. Das persönliche Risiko hängt von der Art des Medikaments, von der Anwendungsdauer und vom Zustand Ihrer Mundgesundheit ab.
Was wird gemacht, wenn ein Zahn entfernt werden muss?
Eine Zahnentfernung ist nicht grundsätzlich verboten; Zeitpunkt und Technik werden geplant. Vorher wird der Mund saniert, der Eingriff so wenig belastend wie möglich gehalten und die Heilung engmaschig beobachtet. Die Entscheidung fällt, indem die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt und die Zahnärztin oder der Zahnarzt den Fall gemeinsam beurteilen.

Dieser Inhalt dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche Untersuchung. Symptome überschneiden sich zwischen Erkrankungen; eine Diagnose kann nur klinisch gestellt werden.

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