Papatya Dental7/24

Atypischer Gesichtsschmerz

Zahn- und Gesichtsschmerz, der anhält, obwohl Untersuchung und Röntgen keine Ursache zeigen. Der Ort, an dem ein Schmerz gespürt wird, ist nicht immer der Ort des Schadens.

Was ist das?

Der atypische Gesichtsschmerz ist ein dumpfer, tief sitzender, mitunter brennender Schmerz, der den größten Teil des Tages vorhanden ist. Untersuchung, Tests und Bildgebung zeigen keine Ursache am Zahn oder am Kiefer. Die Grenzen des Schmerzes passen nicht genau in das anatomische Gebiet eines einzelnen Zahns oder eines einzelnen Nervs; die Region lässt sich mit dem Finger womöglich nicht genau zeigen.

Das Problem scheint nicht dort zu liegen, wo der Schmerz gespürt wird, sondern auf dem Weg, auf dem das Schmerzsignal geleitet und verarbeitet wird. Nervenenden und zentrale Schmerzbahnen können mit der Zeit empfindlich werden; Reize, die normalerweise keinen Schmerz auslösen, werden dann als Schmerz wahrgenommen. Das heißt nicht, dass der Schmerz eingebildet ist. Der Schmerz ist echt, nur liegt seine Quelle nicht dort, wo man sie erwartet.

Wird dieses Bild nicht erkannt, ist der Weg meist derselbe: zuerst der Austausch einer Füllung, dann eine Wurzelkanalbehandlung, danach eine Wurzelspitzenresektion und am Ende die Zahnentfernung. Nach jedem Eingriff verändert sich der Schmerz kurz und kehrt dann in dieselbe Region oder zum Nachbarzahn zurück. Je mehr unumkehrbare Eingriffe hinzukommen, desto weniger ist zu erwarten, dass das Bild leichter wird.

Anzeichen

Sie müssen nicht alle davon gleichzeitig haben.

Warum entsteht es?

  1. 01

    Nervenveränderung nach Eingriff oder Verletzung

    Nach einer Zahnentfernung, einer Wurzelkanalbehandlung, einem Implantat oder einer Operation können die feinen Nervenenden der Region anders zu arbeiten beginnen. Der Schmerz kann auch noch Wochen nach der Abheilung anhalten, und Taubheit oder Brennen können ihn begleiten.

  2. 02

    Empfindlicher gewordene Schmerzbahnen

    Lang anhaltender Schmerz senkt die Schwelle der Bahnen, die das Signal leiten. Nach einer Weile können schon leichte Berührung oder ein Temperaturwechsel als Schmerz wahrgenommen werden. Diese Veränderung ist in der Bildgebung nicht zu sehen, sie erschließt sich aus Untersuchung und Vorgeschichte.

  3. 03

    Schlafmangel und Dauerspannung halten den Schmerz aufrecht

    Unterbrochener Schlaf und lang anhaltende Anspannung senken die Schmerzschwelle, und der Schmerz stört wiederum den Schlaf. Dieser Kreislauf ist nicht die Ursache des Schmerzes, macht es ihm aber leichter zu bleiben; deshalb gehört er zur Beurteilung.

  4. 04

    Verzögerte Diagnose und wiederholte Eingriffe

    Jeder neue Eingriff fügt der Region eine neue Gewebe- und Nervenbelastung hinzu. Eingriffe, die versuchsweise an einem Schmerz ohne nachgewiesene Ursache vorgenommen werden, können das Bild eher verkomplizieren als lösen.

Wie schreitet es fort?

  1. Typ 1

    Atypische Odontalgie

    Der Schmerz sitzt an einem einzelnen Zahn oder in der Lücke eines entfernten Zahns. Der Zahn lebt, und die Tests sind unauffällig; der Schmerz ändert sich womöglich weder beim Aufbeißen noch bei Wärme oder Kälte.

  2. Typ 2

    Anhaltender Gesichtsschmerz

    Der Schmerz bedeckt ein größeres Gebiet wie Wange, Oberkiefer oder die Region unter dem Auge, seine Grenzen sind unscharf. Er ist meist einseitig, und seine Stärke schwankt über den Tag.

  3. Typ 3

    Nervenschmerz nach einem Eingriff

    Der Schmerz beginnt nach einem bestimmten Eingriff. In derselben Region können Taubheit, Kribbeln oder Brennen bestehen; Berührung kann den Schmerz verstärken.

Wie wird es behandelt?

Der erste Schritt ist der sorgfältige Ausschluss einer zahnbedingten Ursache. Dazu gehören der Vitalitätstest, Aufbiss- und Klopftest, Röntgenaufnahmen aus geeigneten Winkeln und bei Bedarf eine dreidimensionale Aufnahme. Findet sich kein Befund, werden Wurzelkanalbehandlung, Wurzelspitzenresektion oder Zahnentfernung nicht zu diagnostischen Zwecken geplant. Diese Grenze wird von Anfang an gezogen, damit das Bild nicht noch verwickelter wird.

Die Betreuung wird geteilt. Die Sicherung der Diagnose und die medikamentöse Behandlung gehören in die Schmerzmedizin, also in eine Schmerzambulanz, oder in die Neurologie; die bei diesem Schmerz eingesetzten Medikamente wirken anders als gewöhnliche Schmerzmittel, und ihre Auswahl ist eine ärztliche Entscheidung. Der Beitrag der Zahnärztin oder des Zahnarztes besteht darin, den Zustand der Zähne zu beobachten, zusätzliche Belastungen wie das Pressen zu verringern und unnötige Eingriffe zu stoppen.

Die Erwartungen realistisch zu setzen, ist Teil der Behandlung. Das Ziel ist meist nicht, den Schmerz auf einen Schlag zu beenden, sondern seine Stärke und seine Wirkung auf den Alltag Schritt für Schritt zu verringern. Ein einfaches Tagebuch, in dem Ort, Uhrzeit und Stärke des Schmerzes festgehalten werden, macht sichtbar, welcher Ansatz hilft, und macht die Kontrolltermine ergiebig.

Nicht warten
  • Eine neu beginnende Taubheit an Lippe, Kinn oder Zunge zusammen mit dem Schmerz
  • Schwellung im Gesicht, Fieber oder Schwierigkeiten, den Mund zu öffnen
  • Eine nicht heilende Wunde, eine Blutung oder ein tastbarer Knoten in der schmerzenden Region
  • Allgemeine Beschwerden wie Gewichtsverlust und nächtliches Schwitzen, die zum Bild hinzukommen

Wie beugt man vor?

  • Verlangen Sie für einen Schmerz ohne nachgewiesene Ursache keinen unumkehrbaren Eingriff auf Verdacht.
  • Halten Sie einige Wochen lang schriftlich fest, wo und wann der Schmerz auftritt, wie stark er ist und wodurch er sich verändert.
  • Berichten Sie Ihrer neuen Zahnärztin oder Ihrem neuen Zahnarzt von früheren Eingriffen in derselben Region und deren Zeitpunkt.
  • Sprechen Sie über Faktoren, die den Schmerz nähren, etwa den Schlafrhythmus und das Zähnepressen.

Häufige Fragen

Im Röntgen war nichts zu sehen, ist mein Schmerz nicht echt?
Ihr Schmerz ist echt. Die Bildgebung zeigt Veränderungen im Hartgewebe; eine Veränderung in der Verarbeitung des Schmerzsignals zeigt sie nicht. Ein unauffälliges Röntgenbild sagt nicht, dass kein Schmerz da ist, sondern dass die Ursache nicht im Hartgewebe des Zahns zu suchen ist.
Geht der Schmerz weg, wenn ich den Zahn ziehen lasse?
Bei einem Schmerz ohne nachgewiesene Ursache ist nicht zu erwarten, dass eine Zahnentfernung ihn beendet. Meist verändert sich der Schmerz eine Weile und kehrt dann in dieselbe Region oder zum Nachbarzahn zurück; dazu ist ein unumkehrbarer Verlust entstanden. Deshalb kommt eine Zahnentfernung nur infrage, wenn es einen eindeutigen Befund am Zahn gibt.
Geht dieser Schmerz vollständig weg?
Der Verlauf ist von Person zu Person verschieden. Bei manchen lässt der Schmerz deutlich nach, und es gibt lange ruhige Phasen; bei anderen bleibt er in Wellen bestehen. Eine feste Dauer oder ein festes Ergebnis lässt sich nicht nennen. Mit einer geeigneten Betreuung wird meist angestrebt, die Stärke des Schmerzes und seine Wirkung auf den Alltag zu verringern.

Dieser Inhalt dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche Untersuchung. Symptome überschneiden sich zwischen Erkrankungen; eine Diagnose kann nur klinisch gestellt werden.

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