Was ist das?
Bei einer Kiefergelenkluxation rutscht der Gelenkkopf des Unterkiefers über den Knochenvorsprung vor ihm und findet nicht zurück. Ihr Mund bleibt offen, die Frontzähne berühren sich nicht, Sprechen und Schlucken fallen schwer, Speichel sammelt sich. Am Kinn können Schmerzen auftreten und vor dem Ohr kann eine Delle zu spüren sein.
Das Bild beginnt meist in einem Moment, in dem der Mund sehr weit geöffnet wird: Gähnen, Lachen, Erbrechen, eine lange Behandlung im Mund, eine Magenspiegelung oder Maßnahmen während einer Vollnarkose gehören dazu. Auch ein Schlag bei geöffnetem Mund kann dasselbe auslösen. Bei manchen Menschen wiederholt sich das immer wieder.
Von der Blockade durch den Diskus unterscheidet die Luxation die Richtung: Bei der Luxation lässt sich Ihr Mund nicht schließen, bei der Kieferklemme durch den Diskus nicht öffnen. Diese Unterscheidung hilft Ihnen, das Erlebte zu schildern, und erleichtert die Wahl des richtigen Vorgehens.
Anzeichen
Sie müssen nicht alle davon gleichzeitig haben.
Warum entsteht es?
- 01
Sehr weites Öffnen des Mundes
Beim Gähnen, Lachen, Singen und beim Abbeißen eines großen Bissens kann der Gelenkkopf den Vorsprung überschreiten. Wenn Sie ein solches Ereignis schon einmal erlebt haben, können dieselben Bewegungen erneut zum Auslöser werden.
- 02
Lange Behandlungen und Eingriffe
Zahnbehandlungen mit lange offen gehaltenem Mund, Magenspiegelungen, das Sichern der Atemwege in Vollnarkose und Anfälle von Erbrechen gehören zu den häufig berichteten Auslösern. Sind die Muskeln erschöpft, ist das Gelenk weniger geschützt.
- 03
Bänderschwäche und Form der Pfanne
Bei Menschen mit von Geburt an dehnbaren Bändern und bei Gelenken mit flacher Pfanne entsteht eine Luxation leichter. Bei manchen Erkrankungen des Bindegewebes ist die Neigung zur Wiederholung deutlich ausgeprägt.
- 04
Medikamente und neurologische Ursachen
Unwillkürliche Muskelverkrampfungen durch bestimmte Mittel gegen Übelkeit und bestimmte Psychopharmaka sowie Verkrampfungen während eines Krampfanfalls können den Kiefer nach vorn blockieren. Ob ein solches Medikament überprüft wird, entscheidet die verordnende Ärztin oder der verordnende Arzt.
Wie schreitet es fort?
- Ausmaß
Ein- oder beidseitige Luxation
Bei einer beidseitigen Luxation bleibt der Mund weit offen und der Kiefer steht nach vorn. Bei einer einseitigen Luxation weicht das Kinn zur Gegenseite ab; dieses Bild kann mit einem Bruch verwechselt werden.
- Akut
Erstmalige, frische Luxation
Wird die Luxation innerhalb von Stunden behandelt, ist das Einrenken meist leichter, weil die Muskeln noch nicht vollständig verkrampft sind.
- Wiederkehrend
Häufig wiederkehrende Luxation
Sie wiederholt sich schon bei einem gewöhnlichen Gähnen. Über das Einrenken hinaus ist ein Plan nötig, der die Wiederholungen verringert.
- Chronisch
Lange nicht eingerenkte Luxation
Vergehen Tage und Wochen, verhärtet sich das umliegende Gewebe; einfache Handgriffe reichen möglicherweise nicht aus, weitergehende Verfahren kommen infrage.
Wie wird es behandelt?
Zu tun ist, den Kiefer wieder einzurenken, und das gehört in fachkundige Hände. Liegt ein Schlag in der Vorgeschichte, wird zuerst mit einer Bildgebung ein Bruch ausgeschlossen. Damit sich die Muskeln lösen, kann eine örtliche Betäubung oder eine medikamentöse Unterstützung nötig sein; darüber wird in der Behandlung entschieden. Es selbst zu versuchen oder eine angehörige Person kräftig ziehen zu lassen, kann Zähne und Weichgewebe verletzen.
Nach dem Einrenken soll der Kiefer eine Zeit lang geschont werden: ein Stützverband, der Verzicht auf weites Öffnen, weiche Kost und das Abstützen des Kinns mit der Hand beim Gähnen werden empfohlen. Die Kontrolluntersuchung in dieser Zeit dient dazu, den Zustand von Gelenk und Muskeln zu beurteilen.
Bei wiederkehrenden Luxationen reicht das Einrenken allein nicht aus; in der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie werden verschiedene Wege von Injektionen rund um das Gelenk bis hin zu chirurgischen Möglichkeiten geprüft. Bei lange nicht eingerenkten Luxationen kann der Eingriff unter stationären Bedingungen und in Sedierung erfolgen.
- Ihr Mund lässt sich nicht schließen und das dauert bereits Stunden an
- Der Kiefer bleibt nach einem Schlag offen stehen, dazu kommen ein taubes Gefühl oder eine Blutung
- Schwierigkeiten beim Atmen oder beim Schlucken
- Der Kiefer renkt sich kurz nach dem Einrenken erneut aus
Wie beugt man vor?
- Legen Sie beim Gähnen die Hand unter das Kinn und begrenzen Sie so die Öffnung.
- Wenn Ihr Kiefer schon einmal ausgerenkt war, sagen Sie es vor langen Behandlungen und bitten Sie um Pausen.
- Meiden Sie in den ersten Wochen große Bissen sowie harte und lange zu kauende Speisen.
- Setzen Sie ein Medikament, das als Auslöser vermutet wird, nicht eigenmächtig ab, sondern sprechen Sie mit der Ärztin oder dem Arzt, die oder der es verordnet hat.
Häufige Fragen
- Kann ich versuchen, meinen Kiefer selbst einzurenken?
- Davon wird abgeraten. Beim Einrenken müssen die Hände an den richtigen Stellen liegen und die Muskeln sich lösen; beim gewaltsamen Versuch kommen Verletzungen der Finger, Zahnbrüche und Schäden am Gewebe rund um das Gelenk vor. Außerdem kann bei Beschwerden nach einem Schlag ein Bruch darunterliegen, weshalb zuerst eine Abklärung erfolgen muss.
- Geht eine Kiefergelenkluxation von selbst zurück?
- Bei manchen Menschen findet der Kiefer nach kurzer Zeit von selbst zurück; darauf zu warten, ist jedoch kein allgemeines Vorgehen. Mit der Zeit verkrampft die Kaumuskulatur und es wird schwerer, den Gelenkkopf zurückzuführen; für den Eingriff können dann Medikamente oder stationäre Bedingungen nötig werden. Deshalb wird ein Mund, der sich nicht schließen lässt, noch am selben Tag behandelt.
- Renkt ein einmal ausgerenkter Kiefer wieder aus?
- Eine Wiederholung ist möglich und bei Menschen mit dehnbaren Bändern deutlicher ausgeprägt. In den ersten Wochen weites Öffnen zu vermeiden, das Kinn beim Gähnen abzustützen und harte Speisen zu meiden, soll das Risiko einer Wiederholung senken. Bei häufigen Wiederholungen werden in der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie zusätzliche Möglichkeiten geprüft.
Dieser Inhalt dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche Untersuchung. Symptome überschneiden sich zwischen Erkrankungen; eine Diagnose kann nur klinisch gestellt werden.
