Was bedeutet das?
Die Wurzeln Ihrer oberen Backenzähne liegen dicht am Boden der Kieferhöhle. Bei manchen Menschen ragen die Wurzeln in die Kieferhöhle hinein, und der Knochen dazwischen ist papierdünn. Wird einer dieser Zähne entfernt oder löst eine Entzündung an der Wurzelspitze den Knochen dazwischen auf, kann eine Verbindung zwischen Mund und Kieferhöhle entstehen. Da die Kieferhöhle ihrerseits in die Nasenhöhle mündet, nimmt die Flüssigkeit, die Sie in den Mund nehmen, diesen Weg und gelangt in Ihre Nase.
Dieses Zeichen unterscheidet sich von ähnlichen Beschwerden dadurch, dass es einseitig bleibt und nur Flüssigkeiten betrifft. Besteht eine Öffnung, kommt die Flüssigkeit meistens nur auf einer Seite heraus, bei fester Nahrung passiert dasselbe nicht, und beim Schlucken treten weder Husten noch ein Erstickungsgefühl auf. Möglicherweise fällt es Ihnen schwer, die Wange aufzublasen, Ihre Stimme kann beim Sprechen näselnd klingen, und Sie bemerken vielleicht, dass aus der Wunde Luft entweicht. Bei einer Schluckstörung dagegen tritt das Problem auf beiden Seiten auf, es macht keinen Unterschied zwischen fester und flüssiger Nahrung und geht meist mit Husten einher.
Auch der Zeitpunkt sagt etwas aus. Die Beschwerden beginnen meistens in den ersten Tagen nach der Entfernung eines oberen Seitenzahns. Bei kleinen Öffnungen ist mit einem Verschluss von selbst zu rechnen, solange das Blutgerinnsel an seinem Platz bleibt; ab einer bestimmten Größe ist das nicht zu erwarten, und die Öffnung kann sich von den Rändern her mit Schleimhaut überziehen und zu einem dauerhaften Gang werden. Je länger die Verbindung offen bleibt, desto wahrscheinlicher ist es, dass Bakterien aus dem Mund in die Kieferhöhle gelangen und sich dort eine einseitige Kieferhöhlenentzündung festsetzt.
Damit Flüssigkeit in die Nase gelangt, muss zwischen Mund und Kieferhöhle ein durchgängiger Weg bestehen; wie dieser Weg entstanden ist, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Die folgenden Punkte sind nicht nach Häufigkeit geordnet, sondern zeigen die Ursachen, die bei der Untersuchung voneinander unterschieden werden müssen.
Was hilft zu Hause?
- Schnäuzen Sie sich nicht, halten Sie beim Pusten kein Nasenloch zu und vermeiden Sie alles, was Druck aufbaut, etwa das Aufblasen von Luftballons; der Druck in der Kieferhöhle kann eine Öffnung, die gerade zuheilt, wieder aufreißen.
- Halten Sie beim Niesen den Mund offen, trinken Sie nicht mit dem Strohhalm und rauchen Sie nicht; das Saugen und der plötzliche Druckwechsel lösen das Blutgerinnsel aus der Wunde.
- Tasten Sie die Wunde nicht mit der Zunge, dem Finger oder einem Gegenstand ab; die Größe der Öffnung lässt sich auf diesem Weg nicht beurteilen, Sie tragen damit nur Keime hinein.
- Nehmen Sie nicht auf eigene Faust ein übrig gebliebenes Antibiotikum oder Nasenspray; solange die Öffnung besteht, lindert ein Medikament die Beschwerden eine Zeit lang, beseitigt aber nicht die Ursache.
- Wenn die Beschwerden nach der Entfernung eines oberen Seitenzahns begonnen haben und innerhalb weniger Tage nicht nachlassen
- Wenn aus dem Nasenloch derselben Seite ein übel riechendes oder eitriges Sekret kommt
- Wenn Ihre Wange anschwillt, die Schmerzen zunehmen, Fieber auftritt oder sich unter dem Auge ein Druckgefühl einstellt
- Wenn die Wunde nach der Zahnentfernung weiter blutet oder ein schlechter Geschmack im Mund bleibt, der nicht vergeht
- Wenn Flüssigkeit in die Nase läuft, obwohl Ihnen nie ein Zahn entfernt wurde, und zusätzlich Husten, ein Erstickungsgefühl oder eine veränderte Stimme auftreten
Häufige Fragen
- Es hat nach der Zahnentfernung angefangen: schließt sich das von selbst?
- Das hängt von der Größe der Öffnung ab. Bei kleinen Öffnungen ist mit einem Verschluss innerhalb einiger Wochen zu rechnen, solange das Blutgerinnsel geschützt bleibt und Sie alles vermeiden, was Druck aufbaut. Ab einer bestimmten Größe ist ein Verschluss von selbst nicht zu erwarten; dann muss die Öffnung chirurgisch verschlossen werden. Von außen können Sie nicht einschätzen, welcher Fall bei Ihnen vorliegt. Statt abzuwarten sollte deshalb in einer Untersuchung und, wenn nötig, mit einer Röntgenaufnahme entschieden werden.
- Mir wurde nie ein Zahn entfernt: kann es trotzdem vorkommen?
- Ja, das ist möglich. Der dünne Knochen zwischen Mund und Kieferhöhle kann auch durch eine lang bestehende Entzündung an der Wurzelspitze, durch eine Zyste oder eine andere Raumforderung im Kieferknochen oder durch einen früheren Eingriff dünner werden und aufbrechen. Außerdem hat Flüssigkeit in der Nase nicht immer diese Ursache; sie kommt auch vor, wenn der weiche Gaumen beim Schlucken den Übergang zur Nase nicht ausreichend verschließt. Dieses Bild gehört nicht in die Zahnmedizin, sondern in die Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und, wenn nötig, in die neurologische Abklärung.
- Bringen Medikamente gegen eine Nebenhöhlenentzündung die Beschwerden zum Verschwinden?
- Solange die Öffnung besteht, ist nicht zu erwarten, dass Medikamente allein ausreichen. Ein Antibiotikum und ein Nasenspray können die Entzündung in der Kieferhöhle eine Zeit lang zurückdrängen, aber solange der Weg vom Mund in die Kieferhöhle offen bleibt, gelangen weiter Bakterien dorthin, und die Beschwerden können nach dem Ende der Behandlung zurückkehren. Bei diesem Bild müssen die Behandlung der Kieferhöhle und der Verschluss der Öffnung gemeinsam geplant werden; über die Reihenfolge entscheiden Zahnarzt oder Zahnärztin und die HNO-Ärztin oder der HNO-Arzt zusammen.
Dieser Inhalt dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche Untersuchung. Symptome überschneiden sich zwischen Erkrankungen; eine Diagnose kann nur klinisch gestellt werden.
